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Die Geschichte der Harkortwagen der Duisburger
Straßenbahn |
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Am 17. Oktober 1924 war zum ersten Mal die Rede
davon, dass die Firma Harkort (Aktiengesellschaft für
Eisenbahnindustrie und Brückenbau,
gegr. 1860) ihre Abteilung
Eisenbahn — Güterwagenbau
erweitern wollte. Durch die Folgen des Ersten
Weltkrieges wurden die Aufträge für den Eisenbahnbau geringer. Um
zu verhindern, dass man einen erheblichen Teil der
Belegschaft entlassen musste, suchte man nach neuen Möglichkeiten.
Diese wurden auf dem Gebiet des Straßenbahnbaus gefunden. Die
Einrichtungen für den Bau von Straßenbahnwagen waren vorhanden, denn
vorher stellte man Eisenbahnwagen her. Die beiden Harkortwagen waren
als Probefahrzeuge gedacht, bei
deren Ausführung sich die Firma Harkort von vorneherein im
klaren war, dass sie dabei Geld
verlieren würde. Sie wollte versuchen,
koste es, was es wolle, diese Aufträge (auch für weitere
Straßenbahnwagen) zu bekommen.
Das Überleben der Firma hing vielleicht davon ab. Dafür wurde
sogar der Beigeordnete und Oberbaurat Geißler bemüht, der die Firma
weiter empfahl. Schon sehr früh begann sich die Presse für die neuen
Wagen zu interessieren, stellten sie
doch eine Weltneuheit dar. Bis
dahin waren in der Regel
nur zweiachsige Straßenbahntriebwagen mit festem Untergestell
oder vierachsige Wagen mit zwei Drehgestellen bekannt.
Wahrscheinlich gab es eine Verbindung zur Firma Linke-Hoffmann-Busch,
die schon länger Gelenklokomotiven mit Faltenbalgübergängen
herstellte. Außerdem wäre es nun möglich gewesen, von einem
Wagenteil in den anderen zu
gelangen, ohne umsteigen zu müssen. Man hätte also nur noch
einen Schaffner benötigt.
Leider gab es eine Anordnung, dass auf den Harkortzügen
jeweils ein Fahrer, ein Trieb- und
ein Beiwagenschaffner zu sein
hatten. Es gab zwar eine elektrische Einrichtung, um den
Fahrer Signale zu geben,
tatsächlich ist sie aber nie benutzt
worden. Sie wechselten bei einem
Fahrtrichtungswechsel die Plätze.
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Die Zeitschrift „Verkehrstechnik" bat die Duisburger Straßenbahnen
GmbH am 13. Januar 1926 um einen Beitrag, damit man über diese
Fahrzeuge berichten konnte. Die Anfrage wurde wohlwollend
behandelt, aber doch mit der Bitte verbunden, die Veröffentlichung
zu verzögern, bis die Wagen in Betrieb genommen worden seien. Im
Februar 1926 wurden beide Straßenbahnwagen zum Depot Grunewald
ausgeliefert und im März begannen die Probefahrten. Leider stellte
sich heraus, dass die Motoren für das große Adhäsionsgewicht von
ca. 30 Tonnen bei normaler Besetzung zu schwach gewählt worden
waren. Die Kurven an der Hafenstraße (Ruhrort) und an der
Schollenstraße (Mülheim) konnten nicht ohne Anlauf bewältigt
werden. Das hieß, diese Wagen konnten nur auf ebeneren Strecken und
dem Vorortverkehr der Düsseldorfer — Duisburger Kleinbahn
eingesetzt werden. Ende 1926 erhielten die Wagen zwei zusätzliche
Motoren (nun insgesamt 4 Motoren) die dieses Manko behoben. Eine
große Anzahl von Änderungen waren dafür notwendig, so zum Beispiel
musste die Bremsanlage ganz umgebaut werden und die Kontroller
(Fahrschalter) bereiteten ebenso Schwierigkeiten. Vorher waren die
Wagen kaum im Einsatz gewesen. Inzwischen bat die Firma Harkort um
eine Preisaufbesserung, da ihre finanzielle Situation immer
schwieriger wurde. Aber aufgrund der obengenannten Mängel sah man
sich außerstande, eine Preisaufbesserung dem Aufsichtsrat in
Vorschlag bringen zu können. |
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Am 23. Juli 1926 erteilte die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft mit
Wirkung vom 3. Mai 1926 die Genehmigung für den Betrieb der beiden
„Doppeltriebwagen“. Die Gebühren betrugen 58 DM. Die Wagen gingen
unter den Nummern 176 und 177 in Betrieb.

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Im Oktober wurden die letzten Forderungen der Firma Harkort
beglichen. Die Wagen hatten 34543,83 Mark gekostet. Hinzu kamen etwa
10000 Mark für die elektrische Ausrüstung von AEG. Von einer
weiteren Bestellung wurde jedoch abgesehen. 1933 bestand die Firma
Harkort nicht mehr; sie wurde von der Demag übernommen.
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Beide Wagen bewährten sich auf Strecken mit großer Platznachfrage,
besaßen einen ruhigen Lauf, und ein Rangieren an den Endpunkten
entfiel. Mehr als bei den Schaffnern waren die Wagen bei den Fahrern
beliebt, weil sie robust und sicher waren. 1934 führte ein Fahrgast
Klage darüber, dass die Bremse schlecht funktioniere und mit Lärm
und Erschütterung verbunden sei. Am 24. November 1934 gab die
„National-Zeitung" bekannt, die beiden Harkortzüge seien neben
anderen Wagen nun mit einer elektrischen Heizung versehen. Im Jahre
1935 interessierten sich die Bahnen der Stadt Köln für die
Fahrzeuge. Die Wagen galten als groß, modern, aber auch zu schwer;
mittlerweile hatte man gelernt, an Material und Gewicht zu sparen.
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1942 bekamen beide Wagen Scherenstromabnehmer vom Typ U — 8. Im
selben Jahr sollten beide Triebwagen mit Einscheibenrädern des
Bochumer Vereins ausgerüstet werden. Der am 16. März abgeschlossene
Vertrag zerschlug sich im Kriegs jähr 1943, weil nicht genug
Stahlmarken vorhanden waren. (Stahl gab es wie Lebensmittel nur auf
Zuteilung von „Marken"). Die Bandagen dieser Räder hielten ca. 170
000 km, während andere nur ca. 130000km hielten. Ein Jahr später
erhielten sie neue Nummern (76 und 77), einen Grund dafür gab es
nicht. Vielleicht war es ein Versehen beim Zusammenschluss zur
Duisburger Verkehrsgesellschaft AG.
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Ende 1955 bis Mitte 1956 begann ein Umbau am Wagen 76. Bei diesem
Umbau zum Einrichtungs-wagen erhielt er auf einer Seite Falttüren
(statt Schiebetüren), einen Schaffnerplatz, 8 Klappfenster (weil
die Belüftung im Sommer sehr schlecht war) und eine
Magnetschienenbremse. Für den Einbau der hinteren Tür wurde der
B-Kopf um 400 mm verlängert.

Bei einem erneuten Umbau erhielten beide Wagen neue, beleuchtete
Nummernkästen; somit entfiel das Klettern auf das Dach des Wagens,
um die Schilder umzustecken. Der zweite Stromabnehmer wurde
ebenfalls abgebaut, er wurde für den geplanten Einrichtungsverkehr
nicht mehr benötigt. Echte Einrichtungswagen waren sie eigentlich
nie, denn man konnte vom B- Kopf durchaus fahren. Der Wagen 77 wurde
von Mitte 1956 bis Mitte 1957 umgebaut. Am 19. Dezember 1957 hatte
der Wagen 76 einen Auffahrunfall mit einem Pkw. Der Unfall war auf
ausgefallene Sicherungen der Schienenbremse zurückzuführen, die
Bremse hatte nicht genügend Kraft, um den Triebwagen abzubremsen.
Die Ursache für den Ausfall wurde nie festgestellt. Ein erneuter
Unfall ereilte den Harkortwagen 76 am 22. Februar 1961, als sich die
Weiche am Grunewald unter dem letzten Drehgestell umstellte. Erneut
umgezeichnet wurden die Wagen am 1. Oktober 1966 wegen der
Anlieferung der neuen sechsachsigen Triebwagen (Nr. 65 - 76). Die
Harkortwagen erhielten die Nummern 176 und 177. Am 10. März 1967
erhielten sie wiederum neue Nummern, diesmal entsprechend dem neuen
Computersystem der DVG (1176 und 1177). Aus dem Depot Speldorf
wurden beide Wagen am 1. Februar 1967 als Austauschreserve gemeldet
(Nach den Umbauten sind beide Triebwagen dorthin umbeheimatet
worden).

Tw 1176 kurz nach seiner
Unnummerierung im Betriebshof Grunewald
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Als das Depot geschlossen wurde, blieben beide Fahrzeuge dort
stehen. Im Jahre 1970 entschloss sich die DVG, den Harkortwagen 1176
wieder laufen zu lassen. Eine originelle Idee: Der alte Veteran
wurde in einem Pop-Stil lackiert. Im Inneren wurde er ebenfalls neu
hergerichtet: Kühlschrank, Stereoanlage, Küche gehörten ebenso zur
Einrichtung wie Vorhänge, Messinglampen und Sitzbezüge, Es fehlte
nicht einmal eine kleine Bar. Am 6. Oktober 1970 erlebte der Wagen
1176 seine Wiedergeburt als Sonderwagen und wurde der
Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Popwagen Tw 1176
durchfährt am 07.10.1979 Meerbusch
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Von der Presse anfangs noch bejubelt, bald aber schon vergessen,
verdiente er sich auf den Schienen in Duisburg, Dinslaken, Mülheim,
Düsseldorf und Krefeld sein Gnadenbrot. Für jeden war es möglich,
sich dieses Fahrzeug zu mieten (je ein Fahrer und ein Begleiter
eingeschlossen), sogar berühmte Personen machten Gebrauch davon. 13
Jahre belebte er das Stadtbild, wenn er auf einer lustigen
Tanzfahrt durch die Städte von Rhein und Ruhr rumpelte. |
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In der Nacht am 16. Februar 1983 geschah das Unfassbare: Infolge
eines Großbrandes wurde der Triebwagen 1176 völlig zerstört (mit
einer Reihe anderer Fahrzeuge). Seine Überreste wurden im April an
Ort und Stelle zerlegt.

1980 wurde das Depot Speldorf verkauft und der Triebwagen 1177 zum
Betriebshof Hamborn geschleppt, wo er bis Mitte Juli 1983 blieb.
Dann wurde er zum Depot Grunewald gebracht, um als Ersatz für den
ausgebrannten 1176 wieder historisch aufgebaut zu werden.
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Am 25. Juli 1984 wurde der zweite Harkortzug, vorbildgetreu
restauriert, unter seiner alten Nummer 177 wieder in Dienst
gestellt und befährt seitdem wieder das Streckennetz der Duisburger
Verkehrsgesellschaft AG. Nachdem 2006 der ehemalige Museums-Tw 23
ex Hamborner Straßenbahn an die Bergische Museumsbahn in Wuppertal
abgegeben wurde, ist Tw 177 heute der einzige in Duisburg
verbliebene Zeuge der Duisburger Straßenbahngeschichte.

Tw 177 wartet am 18.10.2008 am
Platanenhof auf die Freigabe zur Einfahrt in den Innenstadttunnel |
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Duisburger Typenzeichnung des sechsachsigen
Harkort-Gelenktriebwagens 1177 nach dem Umbau zum
Einrichtungsfahrzeug.
(Zeichnung Verkehrsgesellschaft AG)
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Weitere
Bilder des Tw 176 - 76 - 176 - 1176 |
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Weitere
Bilder des Tw 177 - 77 - 177 - 1177 - 177 |
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